Private Unfallversicherungen – Vorsicht bei der Deckungssumme
Deckungssumme als wichtiges Auswahlkriterium
Die Gründe, weshalb eine Privatperson eine private Unfallversicherung in jedem Fall abschließen sollte, liegen auf der Hand: Die Statistik zeigt, dass der Großteil der Unfälle in der Freizeit passiert. Es muss sich dabei nicht unbedingt um einen Sportunfall handeln, auch im privaten Haushalt oder auf der Straße ist man vor einem solchen Ereignis keinesfalls gefeit.
Auch wenn der Großteil der Österreicher Anspruch auf eine gesetzliche Unfallversicherung hat, so werden viele Schäden dadurch nicht abgedeckt. Es handelt sich dabei um eine Pflichtversicherung, die ausschließlich Unfälle abdeckt, die auf dem Arbeitsweg oder bei der Ausübung der Arbeit geschehen. Personen, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen oder keine Schüler und Studenten sind, werden von einer gesetzlichen Unfallversicherung von Vornherein ausgeschlossen.
Allerdings müssen beim Abschluss einer privaten Unfallversicherung verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. Es handelt sich dabei vor allem um die Leistungen, die der Versicherungsgeber im Ernstfall gewährt. Im Zusammenhang mit den Leistungen steht auch die Höhe der Deckungssumme. Die Deckungssumme einer privaten Unfallversicherung stellt jenen Maximalbetrag dar, bis zu welchem ein Schaden infolge eines Freizeitunfalls ausgezahlt wird.
Deckungssumme ersetzt Einkommensausfall
Der Versicherungsnehmer sollte dabei insbesondere die beiden Bereiche Invalidität und Berufsunfähigkeit im Auge behalten. Während es sich beispielsweise bei Krankentransporten oder Aufenthalten in Krankenhäusern um (relativ) kurzfristige Ereignisse handelt. Kann im Falle einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit, die aus einem Freizeitunfall herrührt, sowohl der gewohnte Lebensstandard als auch die gesamte Existenz bedroht sein. So sollte die Deckungssumme einer privaten Unfallversicherung dazu in der Lage sein, das Einkommen zu ersetzen.
Es empfiehlt sich daher, sich im Rahmen einer privaten Unfallversicherung in dieser Hinsicht gegen langfristige, wirtschaftliche Negativfolgen abzusichern. Experten bedienen sich zur Ermittlung der optimalen Deckungssumme folgenden Faustregeln, bei denen das Alter des Versicherten sowie dessen Jahreseinkommen (brutto) berücksichtigt werden. Im Alter von dreißig Jahren sollte die Deckungssumme den sechsfachen Betrag des Jahreseinkommens betragen, mit vierzig das Fünffache und mit fünfzig das Vierfache.
Private Unfallversicherung: Wichtig bei eingeschränktem Vermögen
Diese Rechnungen sind insbesondere dann anzustellen, wenn der Versicherungsnehmer nicht über ausreichende finanzielle Mittel oder andere Vermögenswerte verfügt, sondern er im Ernstfall auf die Zahlungen aus der privaten Unfallversicherung hochgradig angewiesen wäre. In dieser Hinsicht ist außerdem nicht nur der Verunfallte von den negativen Auswirkungen seines Verdienstausfalls betroffen. Auch seine Angehörigen müssen bei der Deckungssumme einer privaten Unfallversicherung mitbedacht werden, was von den genannten Faustregeln berücksichtigt wird.
Generell ist die tatsächliche Höhe der Deckungssumme von Fall zu Fall unterschiedlich und von verschiedenen Aspekten abhängig. Wie bereits angedeutet, spielt es eine erhebliche Rolle, ob eine Einzelperson oder eine ganze Familie Anspruch auf die private Unfallversicherung hat. Auch die Frage danach, ob es sich beim Versicherten um den Alleinverdiener handelt, beeinflusst die optimale Höhe der Deckung.
Häufig vernachlässigt wird der Umstand, dass sich der Lebensstandard der meisten Österreicher im Laufe der Jahre in einem hohen Ausmaß erhöht. Da es sich bei einer privaten Unfallversicherung um ein Versicherungsprodukt mit einer langen Laufzeit handelt, muss dieser Aspekt ebenfalls berücksichtigt werden.
Progressionsmodell bevorzugt
Aus diesem Grunde wird empfohlen, auf jene Modelle der privaten Unfallversicherung zurückzugreifen, die sich der so genannten Progression bedienen. Das bedeutet: Mit der Schwere des dauerhaften Schadens steigt der von dem Versicherungsgeber auszuzahlende Betrag überproportional. Eine lineare Variante rechnet hingegen 1:1: Liegt eine fünfzigprozentige Invalidität vor, dann wird folglich fünfzig Prozent der gesamten Deckungssumme in Anspruch genommen.
Allerdings sind private Unfallversicherungen mit linearen Tarifen günstiger zu haben als progressive Versicherungen. Bevor aus finanziellen Gründen überhaupt keine private Unfallversicherung abgeschlossen wird, ist eine lineare Variante vorzuziehen. Zusammenfassend muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass die Höhe der Deckungssumme einer der wichtigsten Auswahlkriterien darstellt, zumindest gleichbedeutend mit den enthaltenen Leistungen sowie der Prämienhöhe.
